Der Teufel steckt im Detail

„Songs For A New World“ ist nicht nur unser aktuelles Projekt, sondern auch das Erstlingswerk des amerikanischen Komponisten Jason Robert Brown. Mittlerweile gehört der 43-Jährige zu den renommiertesten Musicalautoren der Welt und hat bereits zahlreiche Preise für seine Werke gewonnen – so auch am vergangenen Wochenende. Was der „Oscar“ für die Filmbranche, ist in der Theaterwelt der „Tony“: Bereits zum 68. Mal wurden an Pfingstonntag die begehrten Trophäen der „Tony Awards“ verliehen. 15 Jahre nach seinem ersten Triumph mit „Parade“ durfte Jason Robert Brown endlich über seinen zweiten und dritten Tony jubeln: Mit „The Bridges Of Madison County“ gewann er in den Kategorien „Beste Originalkomposition“ und „Beste Orchestrierung“. Nicht überraschend, denn Brown hat das geschafft, was nur wenige Komponisten erreichen: eine eigene, unverwechselbare Handschrift. Seine Kompositionen gelten in der Branche als komplexe Meisterwerke, die Sängern und Musikern alles abverlangen.

Viele Rhythmuswechsel und außergewöhnliche, jazzige Harmonien dominieren in den Chorsätzen und stellen auch für uns eine große Herausforderung dar – nach den ersten drei Chorproben ist klar: „Songs For A New World“ ist das schwierigste Stück, an dem wir je gearbeitet haben. In Musical-Ensemblesongs findet sich oft das klare Schema einer dominierenden Melodiestimme, um die herum sich die anderen Stimmgruppen passend „schmiegen“ – anders jedoch bei Jason Robert Brown: Jede einzelne der vier Stimmen ist musikalisch komplex mit vielen tonalen Sprüngen und klingt eigentlich nur im Zusammenhang mit den anderen „richtig“. So ist bei den Sängern volle Konzentration gefragt – Grund genug, letzte Woche kurz vor dem WM-Eröffnungsspiel noch eine kleine Sonder-Chorprobe einzulegen.

Chorprobe "Songs For A New World"

Am Sonntag ging es dann weiter mit der Besprechung der solistischen Stücke – denn bevor wir an die szenische Erarbeitung der verschiedenen Songs gehen, müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden: Welche Intention hat mein Charakter, wie ist er in seine aktuelle Situation gekommen? Macht die Situation den Klang des Liedes hart oder weich, wie „groß“ muss gespielt und gesungen werden? Hat der Charakter bestimmte Ticks oder wiederkehrende Gestiken? Welches Outfit wäre auf der Bühne passend? Braucht das Lied Requisiten? Wie kann man dem Zuschauer helfen, sich direkt in den Song „hineinzufinden“, auch wenn er keinem chronologischen Handlungsstrang folgt? Auf diesen und vielen weiteren Fragen und Antworten fußen für jeden einzelnen Song die gesangliche Arbeit der Solisten und bald auch die szenische Arbeit auf der Bühne – „Songs For A New World“ fordert uns alles ab.. 🙂

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