Stück und Hintergrund

„Mutig. Atemberaubend. Direkt ins Herz. Mehr als ein Feel-Good-Musical – ein Feel-Everything-Musical.“ (‚The New York Times‘)

Ein Meilenstein der Musicalgeschichte kommt nach Kerpen: Das Familiendrama ‚Next To Normal‘ bewegte den Broadway wie nur wenige Stücke der letzten 20 Jahre, begeisterte Kritiker wie Publikum gleichermaßen und erobert seit 2009 mit zahllosen internationalen Produktionen eine Fangemeinde in der ganzen Welt. Eine berührende, intensive Handlung gepaart mit pulsierender Rockmusik und intelligentem Humor – ‚Next To Normal‘ ist packendes, modernes Musiktheater und eine ganz besondere Herausforderung für unser Ensemble.

‚Next To Normal‘ erzählt die Geschichte der Familie Goodman. Auf den ersten Blick leben Vater Dan, Mutter Diana und die beiden halbwüchsigen Kinder Natalie und Gabe den amerikanischen Traum in gut gepflegter Vorstadt-Idylle. Doch hinter der Fassade bröckelt die heile Welt und es zeigt sich, dass die Goodmans nur ‚fast normal‘ sind: Diana leidet an einer schweren bipolaren Störung – ihre Stimmungsschwankungen zwischen Manie und Depression und die zahllosen fehlgeschlagenen Therapien von Antidepressiva bis Elektroschocks stellen das Familienleben auf eine harte Probe. Vater Dan stellt seine eigenen Bedürfnisse seit Jahren zurück, die hochbegabte Tochter Natalie zerbricht langsam am eigenen Perfektionismus und auch der smarte Gabe ist bei weitem nicht der Mustersohn, der er zunächst zu sein scheint. Dianas Krankheit droht nicht nur sie, sondern auch ihre Familie zu verzehren – kann es noch ein Happy End für die Goodmans geben?

Das sensible, teilweise immer noch tabuisierte Thema einer psychischen Erkrankung und der Kampf einer Familie gegen ein scheinbar auswegloses Schicksal – das klingt zunächst nicht nach Material für die Theaterbühne. Doch ‚Next To Normal‘ schafft die schwierige Gratwanderung: Das Publikum schaut nicht nur zu, sondern fühlt mit. Dramatisch, humorvoll, realitätsnah und vor allem jederzeit sensibel werden in ‚Next To Normal‘ die Höhen und Tiefen erzählt, durch die eine psychisch kranke Mutter mit ihrer Familie geht – immer auf der Suche nach einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Musical-Macher Tom Kitt (Musik) und Brian Yorkey (Buch) haben so ein Meisterwerk geschaffen, das den Nerv der Zeit voll getroffen hat: Die Broadway-Premiere im April 2009 löste wahre Begeisterungsstürme aus, die Show war über Monate im Voraus ausverkauft.

„Rock-Musik lebt und bricht wie ein Donner los in ‚Next To Normal‘. Es ist bei weitem das beste Musical der Saison, ein emotionales Kraftwerk mit Feuer in der Seele und beißendem Witz, der ebenso heiß brennt.“ (‚Rolling Stone‘)

‚Next To Normal‘ erhielt gleich elf Nominierungen für die ‚Tony Awards‘, den ‚Oscar‘ der Theaterwelt. 2010 wurde das Stück mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, dem wichtigsten amerikanischen Literaturpreis – erst neun Musicals wurde in den letzten 100 Jahren diese Ehre zuteil. Auch die Musik konnte begeistern (‚Tonys‘ für Komposition und Orchestrierung): mitreißende Rock- und Popmusik, Folk und Country, freche Uptempo-Songs, berührende Balladen.

Bei so viel Erfolg war es kein Wunder, dass ‚Next To Normal‘ schnell auch die internationalen Bühnen eroberte: Produktionen in Südamerika, Asien, Skandinavien, Israel und Holland folgten, ehe das Stück im Oktober 2013 seine deutschsprachige Erstaufführung am Stadttheater Fürth feierte. Sechs ganz große Stars der deutschen Musicalszene – neben Pia Douwes (‚Elisabeth‘), Thomas Borchert (‚Tanz der Vampire‘) und Sabrina Weckerlin (‚Wicked‘) auch Dominik Hees, bis 2010 ausgebildet in unserem Ensemble – wollten unbedingt dabei sein und sorgten für komplett ausverkaufte Shows, Standing Ovations und mehrere Wiederaufnahmen und Gastspiele in den folgenden Spielzeiten.

Auch die deutschsprachige Produktion wurde geradezu mit Lobeshymnen überschüttet. „Da reißt ein Stück 700 Leute aus den Sitzen, weil es an die Lebenswirklichkeit des 21.Jahrhunderts andockt“, schreiben die ‚Nürnberger Nachrichten‘, die Wiener ‚Presse‘ stellt fest, „wie gut es tut, in einem Musical zu sitzen, das ein aktuelles Thema ehrlich behandelt – mit Musik und sogar Humor. Gänsehaut-Feeling!„. ‚Nordbayern‘ lobt die „kongeniale deutschsprachige Fassung, die einen von der ersten Sekunde an fesselnd soghaften Drive gibt“ und ‚News‘ vernahm einen „Sturm der Begeisterung„.

Auch uns begeistert ‚Next To Normal‘ seit vielen Jahren und spätestens seit einem Besuch der Produktion in Fürth war es ein Herzenswunsch unseres Kreativteams, dieses ganz besondere Stück einmal mit dem Musical Ensemble Erft auf die Bühne bringen zu dürfen. Als eines der ersten deutschen Ensembles erhielten wir nun eine Aufführungslizenz und begannen mit den intensiven Vorbereitungen für das zweite Projekt unseres Vereins im großen Jubliäumsjahr. Die Regie bei ‚Next To Normal‘ liegt in den bewährten Händen unserer künstlerischen Leiterin Barbara Franck, erneut unterstützt von Laura Hatko (tänzerische Leitung und Choreographien) und Marco Maciejewski (Lichtdesign und Rollenarbeit). Die Darsteller müssen in ‚Next To Normal‘ an ihre Grenzen gehen – schauspielerisch und auch gesanglich ist das Stück eine Herausforderung, wie sie es im Genre Musical nur sehr selten gibt. Schnell wurde klar: Hierfür würde unser Ensemble weitere professionelle Unterstützung gut gebrauchen können.

Für die Hauptrolle der bipolaren Hausfrau ‚Diana Goodman‘ konnten wir so zu unserer großen Freude eine Darstellerin gewinnen, die lange auf den ganz großen Bühnen Deutschlands zu Hause war: Ausgebildet an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, war Musical-Profi Gabi Schmidt seit 1999 für zahlreiche Hauptrollen wie etwa ‚Evita‘ (Landestheater Innsbruck), ‚Kate‘ (‚Kiss me, Kate‘, Oper Chemnitz), ‚Carmen Diaz‘ (‚Fame‘, Oper Chemnitz), ‚Reno Sweeney‘ (‚Anything Goes‘, Theater Hof), ‚Victoria‘ (‚Victor/Victoria‘, Landestheater Innsbruck) oder ‚Jeanie‘ (‚Hair‘, Theater Bielefeld) engagiert. Seit einigen Jahren konzentriert sich Gabi nun auf ihre Arbeit als Theater- und Gesangspädagogin und bildet in diesem Rahmen auch zahlreiche unserer Darsteller stimmlich fort. Das Stück ‚Next To Normal‘ und ihre langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit vielen unserer Ensemble-Mitglieder haben sie jedoch so so überzeugt, dass sie selbst als erfahrener Profi nun mit unseren talentierten Amateuren auf der Bühne stehen möchte – ein großer Vertrauensbeweis für das künstlerische Profil des Musical Ensemble Erft.

Doch auch die fünf anderen Darsteller bringen schon sehr viel Erfahrung mit: Jonas Wender, zuletzt gefeiert als ‚Fester‘ in der ‚Addams Family‘, schlüpft in die Rolle von Dianas verlässlichem Ehemann Dan; Laura Hatko, unsere heißblütige ‚Morticia‘ der ‚Addams Family‘ und ‚Maureen‘ in ‚RENT‘, übernimmt den Part der perfektionistischen Tochter Natalie. Natalies Freund Henry wird gespielt von Tim Stranowsky, zuletzt ‚Lucas Beineke‘ in der ‚Addams Family‘. Als Sohn ‚Gabe Goodman‘ gibt es ein neues Gesicht auf unserer Bühne zu sehen, das aber schon lange mit unseren Künstlern arbeitet: Philipp Schwerhoff, seit 2014 musikalischer Leiter unseres Ensembles, feiert in ‚Next To Normal‘ sein Debüt als Darsteller. Gesanglich wird der 24-Jährige an der Kölner Musikhochschule ausgebildet und konnte in Bands, Chören und A-Cappella-Ensembles bereits viel Bühnenerfahrung sammeln. Die Doppelrolle der Psychiater ‚Dr. Fine‘ und ‚Dr. Madden‘ übernimmt der Tenor Alexander Geiger – als Doktorand der Neurowissenschaften ist der 30-Jährige geradezu prädestiniert für diese Rolle, die das Spannungsfeld moderner Psychiatrie aufzeigt.

Die musikalische Leitung von ‚Next To Normal‘ liegt in den Händen von David Mertin. Der 30-Jährige ist in der Szene kein Unbekannter: Als Gründer und langjähriger musikalischer Leiter des ‚Jungen Musical Leverkusen‘ hat David schon zahlreiche Produktionen wie etwa ‚Die Schöne und das Biest‘, ‚AIDA‘ oder ‚Natürlich Blond‘ verantwortet und ist so die perfekte Besetzung für den anspruchsvollen Job, der auch den Piano-Part und die Leitung der Band bei den Aufführungen umfasst. Auch die fünf weiteren Musiker, die an Gitarre, Bass, Schlangzeug, Cello und Violine die spannende Partitur erarbeiten, bringen bereits jahrelange Musical-Erfahrung mit – wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!